von Dietmar Moehrlein
Die Initiative für den ersten Schritt übernimmt in der Regel der bisherige Anbieter selbst, etwa in Form der schriftlichen Mitteilung, man habe entgegen dem anhaltenden Trend den Strompreis zwei Jahre lang stabil halten können, nun aber sei eine Anpassung notwendig. Ursache der Preissteigerung seien der Klimaschutz und, klar, die Chinesen. Als staunender Stromverbraucher lernt man daneben auch etwas über zeitgemäßes kaufmännisches Rechnen:
"Die Höhe ihrer Abschlagszahlung erhöht sich ab dem 1. Januar 2008 um 9 %.
Ihr monatlicher Abschlag beträgt künftig ... 36 Euro brutto ..."
Ein Blick auf die 2007er-Rechnung verrät: Monatlicher Abschlag 2007: 30 Euro!
Hier entsteht Verwirrung: Pisa-Schock? Taschenrechner kaputt? Oder einfach nur ein weiterer tragischer Fall von gefühlter Inflation?
Es gibt Alternativen! Leider hat die Privatisierung der Energiewirtschaft aus dem staatlichen Monopol beinahe ein"privates" werden lassen: mit den Milliarden aus "Handel" mit CO2-Zertifikaten und unterlassenen Infrastrukturinvestitionen sind die großen Vier ständig auf Einkaufstour, im Internet wird man aber trotzdem schnell fündig und kann sogar
den Atomausstieg selber machen!
Hat man seine Wahl getroffen, folgt man der Anleitung des neuen Lieferanten - in der Regel ist neben dem Ausfüllen eines schriftlichen Antrags auch eine Kopie der letzten Stromrechnung erforderlich. Abschicken.
Jetzt dauert es ein wenig, vielleicht zwei, drei Wochen, und eine Mitteilung vom alten Anbieter flattert ins Haus, ein neuer Stromlieferant habe ihren Vertrag gekündigt. Mit Bedauern, etc. blabla. Zwei Wochen darauf noch ein Schreiben der Netzbetreibergesellschaft mit der Aufforderung, zum Stichtag den Zählerstand abzulesen. Fertig!
Spätestens ab hier bessert sich die Laune des globalisierungsgebeutelten Endverbrauchers wieder. Zum Atom-Abschied erhält er neben einem Fragebogen nämlich elf wertvolle Tipps zum Sparen und Umweltschonen, der zwölfte, beste, wird allerdings unterschlagen, vermutlich weil schon befolgt.
Ihre Meinung ist uns wichtig! Hier beginnt man sich schon wieder zu wundern, denn die herrschende Minderheit in Deutschland ist stets dann am glücklichsten, wenn sie ihre eigenen Interessen gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit durchsetzen kann, dafür gibt es leider viele Beispiele.
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Gehen wir spaßeshalber davon aus, dass das Interesse echt ist und opfern wir noch ein paar Minuten, um unsere "Meinung" zu äußern.
Das ganze muß nur noch zugeklebt werden und in den Briefkasten geworfen werden, "das Porto übernimmt E.ON Bayern für Sie." Wie man sieht, ist der Atomausstieg nicht nur schnell und einfach durchzuführen, sondern macht auch Spaß.
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Ach ja, fast hätte ich es vergessen: mein neuer Lieferant verlangt einen Abschlag von 33 Euro pro Monat für seinen 100-prozentig atomkraftfreien Öko-Strom.
9 % billiger als E.ON ...